PROMM
(Proximale
myotonische Myopathie)
|
|
Krankheitszeichen
(Symptom)
|
PROMM |
Myotone
Dystrophie (Curschmann, Steinert) |
|
|
|
|
|
Beginn
der Erkrankung |
8.
bis 60. Lebensjahr |
Von
Geburt bis zum Alter |
|
Schwächen
im Gesicht |
Nicht
oder allenfalls gering |
Typischerweise
vorkommend |
|
Schwächen
rumpfnah (proximal) |
Typischerweise
vorkommend |
vorkommend |
|
Schwächen
rumpffern (distal) |
mild
vorkommend |
Typischerweise
vorkommend |
|
Muskelschmerz |
vorkommend |
In
der Regel nicht |
|
|
|
|
|
Linsentrübung
(Katarakt) |
Typischerweise
vorkommend |
Regelhaft
vorkommend |
|
|
|
|
|
Herzrhythmusstörungen |
vorkommend |
vorkommend |
|
|
|
|
|
Diabetes
mellitus |
10
– 20% |
vorkommend |
|
|
|
|
|
Erhöhtes
Schlafbedürfnis (Hypersomnie) |
Gelegentlich,
mild |
vorkommend |
|
|
|
|
|
Angeborene
(kongentiale) Formen |
Nicht
vorkommend |
vorkommend |
|
|
|
|
|
Myotonie
im EMG nachweisbar |
regelhaft |
regelhaft |
|
|
|
|
|
Chromosom |
3q21 |
19q13.3 |
|
Betroffenes
Gen |
ZNF9 |
DMPK |
|
Mutationsart |
CCTG-Repeats |
CTG-Repeats |
|
Repeat-Größe |
Im
Mittel 5000 |
100
– 4000 |
PROMM – Genetik
Die PROMM wird autosomal dominant vererbt. Was heißt das?
Immer stehen hinsichtlich der Autosomen, also der
Chromosomen, die vom Geschlecht unabhängig sind, beim Gesunden zwei
Gene in einer Zelle zur Verfügung - eins auf jedem Chromosom des
Elternpaares. Sie enthalten sich entsprechende, aber nicht komplett
identische Informationen. Wenn eines der beiden Gene stets über das
andere Gen überwiegt und dadurch für die Ausprägung eines Merkmals
allein maßgebend ist, wird es als dominant bezeichnet. Ein solches
Merkmal kann zum Beispiel die Haarfarbe oder auch eine Erkrankung sein.
Der Erbgang wird dann als autosomal dominant bezeichnet. Was das
bedeutet sehen wir an folgendem Beispiel:
„A“ sei
das Gen, welches zum Auftreten einer Erkrankung führt, „a“ würde
zum gesunden Zustand führen, aber nur wenn es nicht von „A“ übertrumpft
würde. In den oberen Kästen sehen Sie die Genkombination eines der
Elternteile (hell schattiert), in den linken Kästen die des anderen
Elternteils (dunkler schattiert), in den übrigen Kästen die möglichen
Kombinationen bei den Nachkommen.
|
|
a |
a |
|
A |
Aa |
Aa |
|
a |
aa |
aa |
Risiko: 1:1 (die Nachkommen mit der Genkombination
Aa erkranken, die mit der Genkombination aa sind gesund)
Es gelten
folgende Kriterien:
Merkmalsträger
geben das Merkmal an die Hälfte ihrer Nachkommen weiter
Bevorzugung
eines bestimmten Geschlechts besteht nicht.
Unter
den Nachkommen merkmalsfreier Personen tritt das Merkmal nie auf (außer
Spontanmutation).
Die
Erkrankung kann in unterschiedlichem Ausmaß zur Darstellung kommen
(sogenannte variable Expressivität).
Das Gen befindet sich auf dem Chromsom 3, genauer gesagt ist die
Genlokalisation 3q21. Dabei bedeutet die 3 die Nummer des Chromsoms, q
bedeutet, dass sich der Genort auf dem langen Arm des Chromosoms
befindet, die 21 gibt dort den genauen Ort an.
Betroffen ist das Gen für das sogenannte Zinkfingerprotein 9 (ZNF9). Die Chromsomen setzen sich unter anderem durch die Basen, die die Information beinhalten bzw. kodieren, zusammen. Nur vier verschiedene Basen stehen dafür zur Verfügung, Adenin, Cytosin, Guanin und Thymin. In einem Bereich des ZNF9-Gens findet man auch beim Gesunden Wiederholungssequenzen der dortigen kodierenden Basen. Dabei handelt es sich aber um ein komplexes Wiederholungsmuster: (TG)n(TCTG)n (CCTG)n, wobei n bedeutet, dass eine bestimmte Zahl an Wiederholungen dieser Basensequenzen vorliegen. Insgesamt beträgt die Länge dieses Bereiches beim Gesunden 104 bis 176 Basenpaare. Im Krankheitsfall liegen 75 bis 11.000 Wiederholungen (Repeats) des CCTG-Bereich (Cytosin, Cytosin, Thymin, Guanin) vor. Die Zahl der Wiederholungen scheint nicht mit der Schwere der Erkrankung zu korrelieren.
PROMM – Therapie
Ziele der Therapie und insbesondere der Rehabilitation bei
Patienten mit der PROMM sind die Verbesserung und das Erhalten der
Selbständigkeit in der Beweglichkeit und Selbstversorgung sowie der
Teilhabe am sozialen Leben. Die Behandlung ist am effektivsten bei einem
interdisziplinär arbeitenden Team aus Ärzten, Pflege,
Krankengymnasten, Ergotherapeuten, Logopäden, Psychologen und
Sozialarbeitern.
Die Schwäche der Muskulatur ist die wesentliche Ursache der meisten Probleme der neuromuskulären Erkrankungen, so auch der PROMM. Es gibt eine Reihe gut kontrollierter Studien, die die Effekte von Übung und Training auf die Muskelstärke bei Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen untersucht haben, speziell für die PROMM gibt es solche Untersuchungen allerdings noch nicht. Bei langsam fortschreitenden Erkrankungen brachte ein 12-wöchiges Training mit moderatem Widerstand eine Zunahme der Kraft um 4 bis 20% ohne negative Effekte. In der gleichen Patientengruppe hatte ein Training mit kräftigem Widerstand über 12 Wochen keine zusätzlichen Nutzen ergeben, aber Hinweise auf eine Schwäche durch Überbelastung bei einigen Patienten. Es gibt ebenfalls Hinweise, dass die Therapieverfahren für die verschiedenen neuromuskulären Erkrankungen unterschiedlich effektiv sind, hier müssen aber weitere Untersuchungen abgewartet werden, bis gesicherte Daten vorliegen. Das Training soll grundsätzlich vorwiegend mit dem Ziel der Funktionsverbesserung, nicht mit dem Ziel der Kräftigung erfolgen. Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen sollten angehalten werden, nicht bis zur Erschöpfung zu trainieren. Sie sollten auch über die Warnzeichen einer Überbelastung informiert sein. Hierzu gehören ein Schwächegefühl innerhalb von 30 Minuten nach der Übung oder Muskelschmerzen 24 bis 48 Stunden nach dem Training. Andere Warnsignale beinhalten ausgeprägte Muskelkrämpfe oder Schweregefühl von Armen und Beinen.
In der Regel ist das Ausmaß der Myotonie bei der PROMM nicht
relevant, deshalb bedarf die Myotonie damit auch keiner Behandlung. Ist
die Myotonie aber doch so ausgeprägt, dass eine Therapie notwendig
wird, sind diese wegen der Möglichkeit von Herzrhythmusstörungen nur
unter strenger Indikationsstellung und Beobachtung des Patienten
einzusetzen.
PROMM:
Komplikationen der Herzfunktion
Bei der PROMM können Funktionsstörungen des Herzens
auftreten. Erste Hinweise können das Elektrokardiogramm (EKG, Herzströme),
Langzeit-EKG oder das Echokardiogramm (UKG, Ultraschalluntersuchung des
Herzens) geben. Liegen Funktionsstörungen des Herzens vor, müssen sie
bei Einleitung eines physiotherapeutischen Trainingsprogramms berücksichtig
werden. Bei bestimmten Funktionsstörungen (Reizleitungsstörungen) kann
der Einsatz eines Herzschrittmachers notwendig werden.
PROMM:
Krankheitsverarbeitung
Oft werden bei Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen
depressive Störungen beobachtet. Ursache ist oft die Verarbeitung der
Erkrankung, oft sind es aber auch Probleme der sozialen Integration und
des Erhalts des Arbeitsplatzes. Selbsthilfegruppen können hier ganz
wichtige Hilfestellungen geben, die Teilnahme an Selbsthilfegruppen ist
den Patienten sehr zu empfehlen. In Deutschland ist die Deutsche
Gesellschaft für Muskelkranke (DGM,
www.dgm.org) sehr aktiv. Mitglieder der Gruppen stellen auch
Hilfestellungen dar beim Lösen sozialer Probleme oder bei der Beratung
bzgl. Hilfsmitteln.
Die psychologische Betreuung ist weiterer wichtiger Teil der
Rehabilitation. Auch hier kann eine wichtige Unterstützung über die
stationäre Behandlung hinaus gegeben werden.
PROMM:
Hilfsmittel
Eine Reihe von Hilfsmitteln können die Bewältigung der
Beeinträchtigungen durch die Krankheit erleichtern oder erst ermöglichen.
Hierzu können gehören Duschstuhl, Badewannen-Lifter, Toilettensitzerhöhungen,
aber auch kleine Hilfen wir Greifzangen. Rollstühle werden für
Patienten mit einer PROMM in der Regel nicht benötigt. Das Ausprobieren
und die Versorgung mit Hilfsmitteln sind eine Domäne der Ergotherapie.
PROMM:
Andere Therapieoptionen
Das Verständnis für die molekulare Basis vieler neuromuskulärer
Erkrankungen hat die diagnostische Genauigkeit erhöht und mag die Basis
für gezielte therapeutische Maßnahmen bringen. Es gibt
vielversprechende Ideen, das Erbgut, die DNA (Desoxyribonukleinsäure),
zu „reparieren“, beispielsweise ein fehlendes Gen einzufügen.
Vielleicht kann damit eines Tages das Fortschreiten einer Erkrankung
aufgehoben werden.
Kreatin
Die Substanz ist für den Energiestoffwechsel der
Muskeln wichtig. Es wird schon lange eingesetzt als Nahrungsergänzung
von Sportlern, um damit die maximale Leistungsfähigkeit des Muskel zu
verlängern und die Erholungszeit nach Anstrengung zu verkürzen. In den
letzten Jahren wurde das Präparat auch bei neuromuskulären
Erkrankungen eingesetzt, jedoch mit mäßigem Erfolg. Eine kürzlich
durchgeführte und im Jahre 2003 in Neurology publizierte Studie des
Einsatzes von Kreatin bei der PROMM ergab keinen signifikanten Effekt.
Tendenziell wurde eine Besserung der Schmerzen bei PROMM durch Kreatin
beobachtet, so dass ein Therapieversuch gerechtfertigt ist.
Die
Substanz ist mit reichlich Flüssigkeit (mindestens 2 Liter), nicht
jedoch Kaffee einzunehmen. Für 10 Tage erfolgt bei Erwachsenen eine
„Ladephase“ mit 8 g Kreatinmonohydrat/Tag, verteilt auf 2 – 3
Tagesportionen, dann 4 g/Tag. Wegen der möglichen Verminderung des
Transporters für Kreatin in der Muskelzelle wird alle drei Monate eine
2– bis 4wöchige
Therapiepause empfohlen. Danach wird wiederum mit einer Ladephase
begonnen.
PROMM:
Sozialmedizinische Aspekte
Hierbei können verschiedene Aspekte zur Sprache kommen. Gilt
es zum Beispiel den Arbeitsplatz zu retten, kann das Beantragen einer
der Behinderung angepassten Arbeitsplatzeinrichtung wichtige Unterstützung
bringen. Die Sozialarbeiter können bei diesen Problemen beraten und
unterstützen. Sie wissen beispielsweise, welche Kostenträger hierfür
anzufragen sind. Auch die Beratung mit der Frage der (Teil-) Berentung
kann wichtige Hilfestellungen geben.
PROMM–
Stationäre
Behandlungsmaßnahmen (Rehabilitation)
Regelmäßige ambulante Behandlungen sind in der Regel erforderlich, um Fähigkeiten kontinuierlich auf einem möglichst stabilen Niveau zu erhalten. Um latent vorhandene Fähigkeiten und muskuläre Funktionen zu verbessern, den Verlauf damit günstig zu beeinflussen, ist die stationäre Rehabilitation notwendig. Sie sollte in regelmäßigen Abständen erfolgen. Wenn die Erkrankung durch Verschlechterung von Funktionen es erfordert, kann sie in verkürzten Abständen erfolgen, beispielsweise jährlich. Mit einem entsprechenden Antrag durch den Hausarzt oder betreuenden Neurologen wenden Sie sich an den zuständigen Kostenträger. Für Berufstätige ist der zuständige Kostenträger die Deutsche Rentenversicherung, also ehemals BfA und LVA. Geht es bei der Reha-Maßnahme nicht um den Erhalt der Arbeitsfähigkeit, ist in der Regel die Krankenkasse anzusprechen.
Neuromuskuläre Erkrankungen sind selten. Deshalb ist es wichtig ist, dass die Behandlung in einer Rehabilitationsklinik stattfindet, die in der Behandlung neuromuskulärer Krankheitsbilder versiert ist. Es ist erforderlich, dass die Therapeuten regelmäßig Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen behandeln. Intensität und Art der Behandlung unterscheiden sich deutlich von der Behandlung anderer neurologischer Erkrankungen. Die Neurologische Abteilung der Klinik Hoher Meissner hat in den letzten Jahren konsequent den Schwerpunkt der Behandlung neuromuskulärer Krankheiten aufgebaut. Unser Behandlungsprogramm umfasst je nach den individuellen Erfordernissen unter anderem die Bereiche Krankengymnastik, Ergotherapie, Logopädie, Psychologie, Wärmetherapie und Massage. Wichtiger Bestandteil ist auch die spezielle Gesprächsrunde für Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen. Austausch über den Umgang mit den Erkrankungen und Krankheitsverarbeitung sind wichtige Inhalte der Gesprächsrunde. Vierzehntägig findet ein spezielles ärztlich geleitetes Seminar statt, in dem unter anderem aktuelle Informationen über Therapien berichtet werden, die sich in der wissenschaftlichen Entwicklung befinden oder aktuell diskutiert werden. Hier besteht neben dem Einzelgespräch die Möglichkeit, viele Fragen über die jeweiligen Erkrankungen beantwortet zu bekommen.Informieren Sie sich auch zu den Themen Sport und Bewegung bei neuromuskulären Erkrankungen und Hilfsmittel für Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen
Chefarzt der Neurologischen Abteilung der Klinik Hoher Meissner
Arzt für Neurologie
Physikalische Medizin, Rehabilitationswesen
Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke seit 1990
Weitere Medizinische Informationen
und
Links für Patienten und Interessierte –
von
Amyotrophe Lateralsklerose bis zur
Therapie der spastischen Spinalparalyse
-
Sagen Sie uns ruhig mal
Ihre Meinung!
Oder stellen Sie uns Ihre Fragen...
und klicken Sie hier...
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unser Chefarzt im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.
Weitere Fragen? Ihre Meinung?
Schicken Sie uns eine E - mail
Tel.: 05652 – 55 861, FAX 05652 – 55 814
Klinik Hoher Meissner
Hardtstraße 36, 37242
Bad Sooden-Allendorf
Tel.: 05652 – 55 0, FAX 05652 – 55 870
Haftungshinweis:
Für die gemachten Angaben wird keine Gewähr übernommen; im
Einzelfall ist immer ein Arzt zu konsultieren! Trotz sorgfältiger
inhaltlicher Kontrolle übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte externer
Links. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber
verantwortlich.